Samstag, 28. Dezember 2019

Samuel der Sternenputzer


Samuel, der Sternenputzer


Samuel rekelte sich genüsslich auf der Wolke und blinzelte in die Sonne. Was für ein herrlicher Tag!
"Hach, ist das Leben schön!", rief er aus und ließ die Sonnenstrahlen auf seiner Nase tanzen.
Samuel war ein Sternenputzer, der tagsüber den Sternen ihren Glanz verlieh, damit sie nachts leuchten konnten. 
Auf der Wolke hatte er nun eine kleine Pause eingelegt und genoss einfach alles, was ihn im Moment umgab.
Der Wind strich ihm sanft über Haare und Haut. Die Sonne wärmte ihn.
Samuel seufzte genüsslich.

Er war gerne Sternenputzer. Es war eine Aufgabe, die ihm von ganzen Herzen Freude bereitete.
Früher waren Seefahrer auf seine gewissenhafte Arbeit angewiesen gewesen. Mit Hilfe der Sterne hatten sie ihre Fahrt navigiert und so ihre Passagen gefunden.
Heute stellten Astronome mit Hilfe von hochkomplizierten, hochsensiblen Computern und Navigationsgeräte ihre Berechnungen an, die auch das kleinste Leuchten wahrnehmen konnten.
Samuel hatte deshalb in letzter Zeit immer wieder mal die Sinnhaftigkeit seines Tuns in Frage gestellt.
Wo es inzwischen so tolle Computer gab, die das kleinste Licht im Universum entdecken konnten, warum sollte er dann noch die Sterne so superblank putzen? Er fühlte sich immer öfter überflüssig und der Gedanke daran machte ihn immer sehr, sehr traurig.
Ich denke, ich werde mir einen neuen Job suchen, einen, der wirklich wichtig ist, überlegte er schweren Herzens. Hier werde ich ja nicht mehr wirklich gebraucht.

Und so entschloss er sich in der kommenden Nacht, wenn die anderen Sternenputzer schliefen, fort zu gehen.

Als die Nacht herein brach packte ein paar Sachen zusammen. Schweren Herzens warf er einen letzten Blick auf die wundervoll funkelnden Sterne, die hier, aus dieser Nähe wunderschön waren.
Ein tiefes Seufzen entfuhr ihm und eine Träne rann über seine Wange. Entschlossen drehte er sich um. Sein Ziel war die Erde.
„Dort werde ich bestimmt einen Platz finden an dem ich nützlich bin,“ sagte er zu sich selbst und machte sich auf den Weg.

Der Zeittunnel brachte ihn zur Erde – in eine frühere Zeit. Er landete auf einem Feldweg in der Nähe eines kleines Dorfes. Als Samuel zum Himmel blicke war er erstaunt wie klein die Sterne von hier aussahen. Nur kleine leuchtende Punkte. Auch sah man nicht alle von ihnen was ihn sehr verwunderte.

Als die Sonne aufging wanderte er zu dem Dorf um dort Arbeit zu finden.
Am Dorfeingang stand eine Schmiede. Der Schmied hatte schon das Feuer entfacht und allerlei Eisen zurecht gelegt das er bearbeiten wollte.
Als er Samuel näher kommen sah, schaute er diesem finster und misstrauisch  entgegen. Fremde fanden sehr selten den Weg in das Dorf.
„Einen wundervollen guten Morgen wünsche ich“, begrüßte Samuel freundlich den Schmied. "Mein Name ist Samuel und ich suche Arbeit“, stellte er sich vor.
„Hmmm ...“, brummte der Mann am Feuer und betrachtete Samuel kritisch von oben bis unten. „Siehst ja nicht gerade kräftig aus, aber gerade kann ich sehr gut Hilfe gebrauchen. Der König hat zum Krieg gerufen und ich habe alle Hände voll zu tun um die Waffen für ihn zu schmieden.“,  antwortete er.
„Oh, eine Arbeit für den König! Das hört sich wichtig an!“, entfuhr es Samuel erfreut.
„Was macht der König mit den Waffen?“, fragte Samuel, der keine Ahnung hatte, was Waffen sind und was das Wort Krieg bedeutete.
„Das kannst du wohl sagen, dass das wichtig ist. Ohne sie kann der König nicht Krieg führen und all seine Feinde töten lassen.“, entgegnete der Schmied stolz.
„Die Waffen sind zum Töten da?“, entfuhr es Samuel entsetzt, dem jedes Leben heilig war.
„Na klar, was sonst?", antwortete der Schmied erstaunt.
„Tut mir leid, aber ... ich kann dir nicht helfen Waffen zum Töten herzustellen.“, antwortete Samuel und ein kalter Schauer durchfuhr ihn bei dem Gedanken etwas zu tun, was zum Töten benutzt wurde.
Samuel bedankte sich und setzte seinen Weg fort. Der Schmied schaute ihm kopfschüttelnd nach. Was ist denn das für ein komischer Vogel?, dachte er und wandte sich wieder, immer noch kopfschüttelnd, seiner Arbeit zu.

Samuel wanderte weiter.
Als Nächstes traf er einen Bauern dem er seine Hilfe anbot die dieser gerne annahm. Der Bauer sähte Kohlköpfe und Getreide. Der Sternenputzer fand die Arbeit nützlich. Schließlich ernährte sie Menschen und Tiere.
Nachts schlief Samuel im Stall auf Stroh, was nicht so weich und bequem wie die Wolken war, die er gewohnt war. Oft saß er abends auf der Viehtränke und betrachte den Himmel. Dann entwich ihm immer ein tiefes Seufzen und er bekam Heimweh. Auch hatte er das Gefühl, dass die Sterne immer blasser zu leuchten schienen.
Meine ich sicher nur, liegt sicher an den Wolken. Ging es ihm dann durch den Kopf.

Nachdem er eine zeitlang bei dem Bauern gelebt hatte zog er weiter.
Die Landarbeit war zwar nützlich, aber sie berührte und erfreute nicht sein Herz.

Danach arbeite er eine zeitlang bei einem Bäcker. Auch diese Arbeit war wichtig und sinnvoll. Jedoch merkte Samuel auch hier, dass sie nicht sein Herz erfreute und so zog er weiter.
Das Arbeiten bei einem Schlachter kam für Samuel natürlich nicht in Frage! Als er erfuhr das hier Tiere starben kroch ihm ein Würgereiz den Hals hinauf.

Samuel wanderte viel umher, nahm viele Arbeiten an, aber nichts erfreute sein Herz wie früher das Sternenputzen.
Immer wenn er zum Himmel sah, nahm er nur noch die hellsten, größten Sterne wahr. Alle anderen wurden vom Dunkel des Universums verschluckt.
Samuel runzelte dann immer die Stirn. In der Sternenputzerschule hatte man ihnen vor langer, langer Zeit erklärt, dass ihre Arbeit unabhängig von Zeit und Raum wirkte. Samuel konnte sich das damals nicht vorstellen und ein ungutes Gefühl breitete sich ganz langsam in ihm aus.

Als er kurz darauf in eine Küstenstadt kam, herrschte dort große Aufregung!
Ein großes Handelsschiff war gesunken, die Fracht verloren, die Seeleute ertrunken. 
Es hieß, dass das Schiff auf ein Riff gelaufen war. Schiffe, die ebenfalls in dem Gebiet gewesen waren, berichteten von klarer Sicht aber wohl einer sehr hohen Wolkendecke, da kaum Sterne zu sehen waren.
Samuel schluckte. Hatte das etwa etwas mit seinem Weggang zu tun?

Er brauchte Klarheit und begab sich zum nächsten Zeittunnel, der ihn wieder zurück bringen sollte.

In der Sternenwelt angekommen riss er erschrocken die Augen auf!
Alle Sterne hatten matte Flecken, manche schimmerten zu noch ganz schwach.

„Ach  - du - Schande!“, entfuhr es Samuel.

Als die anderen Sternenputzer ihn sahen stürmten sie ihm freudestrahlend entgegen.

„Samuel! Schön das du wieder da bist! Wir haben dich so vermisst. Du hast uns so gefehlt! Wir konnten ohne dich einfach nicht so gewissenhaft putzen wie es nötig gewesen wäre“, begrüßten sie in herzlich und umarmten ihn.

Zuhause. Ich bin wieder Zuhause. Dort, wo ich hingehöre, wo ich glücklich bin, wo mein Tun sinnvoll und wichtig ist. Dort, wo das, was ich tue mein Herz erfreut, mich tief erfüllt und glücklich macht!, dachte er tief berührt und wusste nun, wo er hingehörte und was seine Bestimmung war.

(C) 12/2019 by Karin Alana Cimander



Keine Kommentare:

Kommentar posten

Samuel der Sternenputzer