Hopper, das Rentier


Hopper war einer kleiner Rentierjunge. Seinen Namen hatte er bekommen, weil er  immer wieder einfach voller Lebensfreude mit allen Vieren senkrecht in die Luft sprang, was für Rentiere nicht unbedingt üblich ist.


Die anderen Rentiere fanden das teilweise schon recht merkwürdig. Besonders die alten. Sie verstanden nicht, warum er sich nicht einfach "normal" verhalten konnte.

"Wenn du dich nicht anständig benehmen kannst", pflegte sein Großvater zu sagen, "wirst du nie den Schlitten des Weihnachtsmann ziehen dürfen." 

Dann schüttelte er immer seinen Kopf mit dem mächtigen Geweih und drückte damit sein Unverständnis aus.

Hopper verstand nicht, was der Großvater meinte.
Was meinte er mit NORMAL und ANSTÄNDIG?
Was machte er falsch?
Warum war es nicht richtig zu springen und sich einfach zu freuen, wenn ihm danach war? Was war falsch daran er selbst zu sein? Hopper eben.

Zum Glück gab es Sunny, seine fast gleichaltrige Freundin. Mit ihr konnte er über die Wiesen toben und so sein, wie er war. Sie schaute ihn nie komisch an, wenn er seine Sprünge machte.

Die Zeit verging und Hopper wuchs zu einem stattlichen Rentiermann heran. Er war stark, stärker als die anderen jungen, erwachsenen Rentiere. Doch seine "Macke", wie die Anderen es nannten, hatte er immer noch. Noch immer sprang er senkrecht in die Luft, wenn ihn Freude überkam. Er konnte einfach nichts dagegen tun.

Es kam die Zeit in der der Weihnachtsmann die Rentiere für seinen Schlitten aussuchte. Die jungen Rentierburschen buhlten um seine Gunst und präsentierten ihre Stärke und Ausdauer.
Hopper hielt sich im Hintergrund. Er konnte sich nicht vorstellen, das er ausgewählt  würde, mit seiner "Macke"?

Nachdem der Weihnachtsmann sechs Rentiere erwählt hatte, eines von ihnen war Sunny, schaute er weiter in die Runde. Es fehlte noch das Leittier, das ganz vorne am Schlitten laufen sollte. Sein Blick wanderte zu Hopper und er lächelte.
"Hopper, komm bitte zu mir," bat er diesen. Das Rentier war sehr überrascht. Er ging zögerlich auf den Weißbärtigen zu. Die anderen Rentiere warfen sich verständnislose Blicke zu. Was wollte der Weihnachtsmann von dem Freak?
"Hopper, möchtest du bei meiner nächsten Fahrt vorne im Gespann laufen und meinen Schlitten mit ziehen?", fragte der Weihnachtsmann den vollkommen erstaunten Rentiermann.
"Ja, gerne ... aber, aber ... meine Macke ...", stotterte dieser.
"Das ist ok mein Lieber." Lächelnd stich ihm der Weihnachtsmann über das flauschige Fell.
Lautes Raunen ging durch die Rentiergruppe,  ihr Unverständnis zum Ausdruck bringend.
Hopper war überglücklich, -  aber auch nachdenklich.
Würde das gutgehen? Würde er die Anderen mit seinen unkontrollierbaren Sprüngen nicht in Gefahr bringen?
Aber - der Weihnachtsmann vertraute ihm.
"Dann sollte ich mir auch Vertrauen", dachte er.

Die Zeit verging und der Heilige Abend kam näher. Die Schnittenrentiere hatten fleißig trainiert und es stellte sich heraus, das Hopper ein gutes Leittier war. Aber seine Sprünge stellten für das Gespann immer wieder eine Herausforderung dar. Sie waren zwar seltener gewordern, aber wenn er sprang, riss er die Anderen immer mit in die Höhe und der Schlitten wurde durchgeschüttelt.
Einige der anderen Rentier befürchteten, dass sie dadurch Geschenke verlieren würden und hatten kein guten Gefühl, wenn die an den 24.12. dachten.
Der Weihnachtsmann jedoch, vertraute Hopper weiterhin.

Der Heiligabend kam und die Elfen luden die Geschenke in den Schlitten. Die angeschirrten Rentiere waren aufgeregt und freuten sich, dass es endlich losging.
Der Weihnachtsmann bestieg den Schlitten und rief:
"Glöckchen, Sunny, Möhrchen, Rudolf, Träumer, Wölkchen, Hopper. Los geht´s! Lasst uns zu den Kindern reisen."

Die Rentiere zogen an und mühelos erhob sich der Schlitten in die Luft.
Die Welt zog unter ihren vorbei.
Ihr erstes Ziel war eine abgelegende Siedlung in einer Schneelandschaft.
Der Schlitten glitt tiefer und tiefer. Als sie landen wollten, passierte es.
Sie rutschen von einer schneebedeckten Eissfäche direkt in eine riesengroße Schneewehe. 
Der Schlitten und auch die Rentiere stecken fest und drohten bei jeder Bewegung abzurutschen und vom Schnee begraben zu werden.
Der Einzige, der ein wenig festen Boden unter den Hufen hatte war Hopper.
"Ruhig, bleibt ganz ruhig", versuchte der Weihnachtsmann alle zu beruhigen.
 Dann schaute zum Leittier und rief:
"Hopper, zieh` uns heraus!"
"Wie soll das gehen?", antwortete dieser verzeifelt.
"Mach deinen Sprung", motivierte ihn der Weihnachtsmann.
"Das geht so nicht. Das spassiert immer spontan. Ich steuer es ja nicht.", gab das Rentier hilflos zurück.
"Ich glaube an dich Hopper. Du schaffst das! Denke an etwas, dass dir große Freude gemacht hat, dann klappt das schon."
Hopper versuchte sich zu beruhigen. Er dachte nach und plötzlich fiel ihm eine Situation ein, in der er sehr glücklich gewesen war. Sunny hatte ich gelobt, als er einen superhohen, tollen Sprung gemacht hatte!
Hopper lächelte - und - sprang, wie noch nie zuvor.
Mit seinen starken Muskeln riss er das Gespann in die Höhe, dass, als es frei war, den Schlitten aus der Schneewehe zog.

Sie landeten ein Stück weiter auf festem Boden und verschnaufen erst einmal.
Der Weihnachtsmann ging zu Hopper und streichelte ihm sanft über die Nüstern.
"Danke", sage er ,"das hast du gut gemacht. Ich wusste, dass es gut ist dich dabei zu haben. Deine Gabe hat uns gerettet."
"Meine - GABE?", fragte das Rentier erstaunt.
"Ja, deine Gabe. Jeder von uns hat eine. Doch leider wird sie oft nicht als solche erkannt, wird beschimpft oder belächelt und wir vergessen sie. Jeder sollte jedoch seine Gabe leben, egal, was andere sagen. Denn - sie ist ein Geschenk - für uns - und andere."



Ó 12/201                                   
Bildquelle: pixabay.com 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mein erfüllt-es Leben

Die Kraft der Gedanken - eine wahre Geschichte

Das Schwert des Lichtkriegers - Leseprobe